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Basisarbeit
Unter Gleichgesinnten über Verbote und den schweren Stand der Karpfenangler zu debattieren hat noch nie etwas gebracht, da so ganz sicher alles wirkungslos verhallt. Man muss jedem Karpfenangler dankbar sein, der sich im eigenen Verein oder an anderer Stelle engagiert. Wenn eine einzelne Person durch das, was er leistet angesehen ist, dann sind die Angelkollegen, egal welchen Zielfisch sie haben, auch viel eher dazu bereit über Ansichten, die dieser vertritt nachzudenken und diese eventuell sogar anzunehmen. Ein Karpfenangler, der am Wasser sich abwertend über Allrounder auslässt, ist absolut negativ für das Image der Karpfenangler. Es ist sicherlich nicht der einzelne, der eine Lawine auslöst, aber die Summe an Verfehlungen und negativem Gerede kann dies auf breiter Front bewirken.
Aufrufe zu mehr Engagement gab es ja schon mehrfach, sicher ist es auch nicht jedermanns Ding sich in einem Angelverein in der Vorstandsarbeit einzubringen, dennoch ist zu hoffen, dass sich viele dazu bereit erklären, die dem Karpfenangeln verbunden sind.
Dieses Jahr hat sich uns, der Carp Mafia Rhein Main, die Gelegenheit geboten, auf einer VDSF Versammlung das Karpfenangeln darzustellen und den Besuchern näher zu bringen. Herr Schönfließ, 1. Vorsitzender der Pachtgemeinschaft Untere Saar und 2. Vorsitzender des ASV Merzig, dem ältesten Angelsportverein des Saarlandes, war mit der Organisation des Saarländischen Fischereitages betraut und hatte uns dies ermöglicht. Zum Fischereitag des Saarlandes, im Juni 2008, hatte der saarländische Fischereipräsident Werner Becker alle dem VDSF angehörige Vereinsvorstände der Angelvereine des Saarlandes eingeladen, um wichtige Informationen weiterzugeben und sich über dringende Probleme auszutauschen. Das Hauptthema der Veranstaltung war die Kormoranproblematik, darunter die Vorgehensweise der angrenzenden Bundesländer und die möglichen Auswirkungen auf das Saarland. Auch der saarländische Umweltminister Stefan Mörsdorf ergriff das Wort zu diesem Thema, denn zu dieser Zeit war noch keine gesetzliche Entscheidung im Saarland über diese Problematik gefallen. Die Veranstaltung war für jedermann zugängig und kostenlos.
Zu fünft bereiteten wir unseren Messestand vor, um jedem einen Einblick ins moderne Karpfenangeln zu geben. Nicht protzen war unsere Idee, sondern auf Basisarbeit sollte unser Wirken ausgelegt sein. Wir wollten „das Karpfenangeln" erklären, näher bringen und keine Fischpornos präsentieren, was hier wohl völlig verfehlt gewesen wäre. Nach einer fünf-wöchigen Vorbereitungszeit konnten wir unsere Arbeit im Foyer der Stadthalle Merzig präsentieren. Der Stand informierte über die verschiedenen Zuchtformen des Karpfens, gab einen Einblick in die Entstehung des Karpfenangelns, klärte auf über Boiliezutaten und die Boilieherstellung, bis hin, wo in den unterschiedlichen Gewässern Karpfen gefangen werden können. Zudem wurde auf verschiedene Angelmethoden eingegangen, natürlich fehlte nicht die Hauptmethode mit Festblei und Haarmontage und jedem Interessierten wurde die Herstellung gezeigt.
Die größte Problematik zeigte sich uns dadurch recht deutlich, die meisten Missverständnisse entstehen ganz klar aus Unwissenheit. Ein Boilie wird eben von einigen immer noch als künstliche oder gar schädliche Kugel angesehen. Das Aufklären über die teils simplen Zutaten, die sich auch in vielen seit Jahrzehnten genutzten Angelteigen wieder finden, öffneten einigen die Augen. In einem großen Aquarium, das der Fischereiverband des Saarlandes mit Fischen und Krebsen aus der Saar bestückt hatte, konnten wir den Gegenargumenten der Boilieangelei wirksam entgegen treten. Sätze wie: „Boilies werden nur von den Karpfen gefressen, was die Karpfen nicht fressen verfault im Wasser, da die Karpfenangler viel zu viel füttern". Von Fertigboilies bis zu selbst hergestellten Boilies, bekamen die Fische im Becken ihre Ration und so manch einer staunte, wie schnell die Kugeln gefressen wurden. Die großen Flusskrebse zeigten dabei vollen Einsatz.
Von großer Bedeutung waren für uns die Gespräche mit den Vorstandsschaften aus dem saarländischem Fischereiverband, sowie den dem VDSF angehörigen saarländischen Vereinen. Bei Gesprächen in kleiner Runde, während und nach der Veranstaltung bei einem Bier, bekamen beide Seiten einen besseren Einblick. Wir trafen auf viel Verständnis für unsere Art der Angelei, aber wir mussten uns auch Kritik anhören, was im Allgemeinen mit dem Auftreten der Karpfenangler zu tun hat und aufgrund der Gesetzeslage in Deutschland ein großes Problem darstellt.
Man kann es den Funktionären des VDSF daher nicht vorwerfen, dass sie sich nicht voll für die Sparte der Karpfenangler einsetzen. Uns wurde deutlich zu verstehen gegeben, wir sitzen alle in einem Boot. Die Folgerung aus diesen Gesprächen ,war für uns, dass sich die Karpfenanglerschaft mal Gedanken machen sollte, warum andere Gruppen wie z.B. die Fliegenfischer bei einem schon viel länger praktizierten C&R nie so stark in den Focus geraten sind. Ist es nicht auch eine Konsequenz unseres Verhaltens?
Eine Bewegung zugunsten des C&R im Bereich der Rechtsprechung ist sicher nicht zu erwarten, daher kann man nur jedem raten, sich am Wasser so unauffällig wie möglich zu verhalten.
Wir sind uns sicher, durch unser Auftreten auf der Messe einen Beitrag fürs Karpfenangeln geleistet zu haben. Die Betonung des gemeinsamen Hobbys und die Solidarität mit allen Anglern sollte unser Ziel sein. Verständnis können wir von allen nur dann erwarten, wenn wir bereit sind Verständnis zu geben. Das direkte Mitwirken in Vereinen ist sicherlich das wirkungsvollste Mittel, aber jede Gelegenheit die ergriffen wird, um das moderne Karpfenangeln ins bessere Licht zu rücken, sollte von jedem Einzelnen ergriffen werden. Das Saarland sorgte für Aufsehen, als es, beispielhaft für die ganze BRD, seinen Fischereiverband vor zwei Jahren zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts umfunktionierte. Nicht das Umweltamt regelt im Saarland die Zustände der Fischerei, sondern der Fischereiverband, was im Umkehrschluss bedeutet, dass Angler für Angler zuständig sind.
Dieses konnten wir in den beiden Tagen feststellen, denn im Saarland bewegt sich was und es ist noch einiges zu erwarten.
Von Simon Zehren, Heimo Lang, Kai Langer, Sven Koenenkamp und Guido Feld
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